Warum du selbst dein bester Lehrer bist

Yogalehrer

Als mit Yoga angefangen habe, fühlte ich mich oftmals wie ein kleines Kind auf der Matte. Wissensdurstig und neugierig schaute ich auf meine Yogalehrer und bestaunte jede Bewegung mit Ehrfurcht und einem „das möchte ich auch irgendwann können“ Gefühl. Ich hatte keine Ahnung von Ausrichtung, Bauchatmung, Chakren oder Mudras. Und genau mit der Haltung wiegte ich mich in vollem Vertrauen, dass mein Yogalehrer stets wisse, was für mich auf der Matte richtig wäre.

Ich ließ mich korrigieren, biegen, ausrichten und stützen. Drückte mich aus dem Kopfstand in den Skorpion, verlor dabei fast immer das Gleichgewicht und wurde von meinem Yogalehrer wieder aufgegangen. Ging an meine Grenzen. Und darüber hinaus. Irgendwann schlich sich ein unangenehmes Gefühl während Shavasana ein. Mein unterer Rücken begann schlagartig und heftig zu ziehen. Als würden kleine Stromzüge meinen Körper durchfahren. Intuitiv zog ich nach jedem Shavasana die Knie an die Brust, um meinen Rücken zu entlasten. Das half meist.

Jahre vergingen. Mein unterer Rücken schmerzte mal mehr, mal weniger, aber meist immer nach meiner Yogapraxis. Ich praktizierte verschiedenste Yogastile. Von Jivamukti über Hatha bis Vinyasa Yoga. Irgendwann wollte ich nicht mehr in der klassischen Rückenlage entspannen, sondern mich nur noch auf die Seite legen, damit der Rücken Ruhe gab. Ich hatte mich damit abgefunden, dass ich halt zu der Sorte Mensch gehörte, die einen sensiblen unteren Rücken haben.

Während einer USA-Rundreise besuchte ich eine Yoga-Stunde in einem Forrest Yoga-Studio. Die Lehrerin ließ uns minutenlang in der Brücke, gestützt mit einem Klotz unter dem Steißbein. Als wir aus der Asana raus kommen sollten, konnte ich mich nicht mehr bewegen vor Schmerzen. Nichts ging mehr, weder sitzen, stehen, noch liegen. Die Yoga-Stunde musste ich abbrechen, ein paar Schmerztabletten und zwei Wärmepflaster später konnte ich mich zumindest wieder etwas bewegen.

So konnte es nicht weitergehen. Zurück in Deutschland begann ich mich intensiver mit meinem Rücken zu beschäftigen, ließ ein MRT machen und wurde zur Physiotherapie geschickt. Wie sich herausstellte, war mein Rücken hypermobil, d.h. so beweglich, dass ihm die Stabilität fehlte. Ich praktizierte Jahre lang die falschen Asanas, bog meinen Rücken im Rad, zog an meinen Wirbelkörpern im Pflug und stauchte die Wirbelsäule im Skorpion. Erfahrene Yogis können mit derartigen Asanas sicherlich gut umgehen. Mir fehlte aber tatsächlich zu diesem Zeitpunkt das komplexe Wissen zu Mobilität vs. Stabilisierung. Plötzlich fiel mir auf, dass viele Yoga-Stile deutlich mehr Rückbeugen praktizierten und zu wenig Vorbeugen. Das Verhältnis war für meinen Körper nicht mehr das Richtige.

Durch eine erfahrene Physiotherapeutin (Danke, Silvana!) lernte ich wieder, auf meinen Körper zu hören und vor allem ein starkes Zentrum aufzubauen. Sobald der untere Rücken hypermobil ist, ist es wichtig, den Bauch zu kräftigen. Erst dann sollte man sich wieder vorsichtig an Rückbeugen wagen.

Seitdem bin ich vorsichtig, wenn ich fremde Yogastunden besuche. Und wenn es mal passiert, informiere ich den Lehrer darüber, dass ich in der einen oder anderen Haltung vielleicht „mein Ding“ mache oder gar ganz aussetze. Durch die vielen Schmerzen habe ich gelernt, meinem Körper wieder zuzuhören und nur die Dinge zu praktizieren, die ihm gut tun. Eigentlich ist das ganz einfach. Wenn man den Ehrgeiz ausschaltet und sich selbst als besten Lehrer sieht. 😉

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